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Bergkobolde und Schneegespenster

Pelzmartige in Kandersteg machen die Dorfstraßen und die Wege unsicher

Beim Neujahrsspuk der Pelzmartige in Kandersteg und dem wilden Fastnachtstreiben der Tschäggättä im Lötschental verbinden sich uralte Traditionen und moderne Lebensfreude.

Ein schrilles Kreischen und Rasseln reißt das friedliche Bergdorf Kandersteg am Neujahrstag aus seiner Mittagsruhe. Wilde Spukgestalten überfallen harmlose Spaziergänger auf der Straße, umringen Autos und hindern sie an der Weiterfahrt, verfolgen Langläufer auf den Schneepisten und stören in den Gaststätten Spätaufsteher beim Frühstück. Ein mindestens zwei Meter großer Bär, assistiert von einem fast ebenso großen Fuchs im roten Pelz und einem Tannenmonster mit schwarzer Holzmaske veranstaltet mit Treischeln (riesigen Kuhglocken) und schweren Eisenketten einen Höllenlärm. Am schrecklichsten sieht der Kindlifresser aus, ein Ungeheuer mit furchtbaren Zähnen in seinem Pelzgesicht: Eins seiner Opfer hängt noch mit den Beinen aus seinem Rucksack. Die ungehobelte Gesellschaft wird von weiteren, teilweise recht lustig aussehenden Gestalten begleitet, einem Spielteufel zum Beispiel, der ganz mit Pokerkarten bedeckt ist, und einer Art Zirkusdirektor mit Frack, schwarzem Zylinder und einer Peitsche, der offensichtlich die schwierige Aufgabe hat, die Gruppe einigermaßen in Zaum zu halten.

Der "Kindlifresser" ist bald der Liebling der Kinder

Doch allzu schwer ist dessen Amt auch wieder nicht. Die meisten Passanten gehen eher neugierig auf die seltsame Gesellschaft zu, und auch die Kinder verlieren schnell die anfängliche Scheu. Ein vorwitziger Bub versucht sogar, dem Kartenmann eine seiner Spielkarten vom Rock zu stibitzen. Als der Gastwirt eine Erfrischung an den Eingang bringen lässt, nimmt der Großmarti, der riesige Bär, rasch seinen Bärenkopf ab und zum Vorschein kommt der freundliche junge Koch vom Hotel nebenan. Auch die übrigen Unholde entpuppen sich als nette Jungen aus Kandersteg, alle zwischen 18 und 23 Jahre alt. „Zweimal im Jahr“, erzählt der Bärenhäuter, „nämlich am 1. Weihnachtstag und am Neujahrstag, ziehen 10 junge Männer von Mittag bis Mitternacht verkleidet durch das Dorf und hinauf in das Ski- und Winterwandergebiet am Oeschinensee.“ Der Brauch soll noch aus der Zeit der Kelten stammen und dazu dienen, die Menschen vor den Wintergefahren zu schützen. Zum Jahresende werden die bösen Wintergeister aus dem Tal gebracht, und am Jahresanfang die guten wieder ins Dorf geholt. „Und warum verkleiden sich die Teufelsaustreiber dann selbst so schrecklich?“ „Die bösen Geister fürchten sich am meisten, wenn sie Wesen in ihrer eigenen Gestalt begegnen,“ erklärt Doris Wandfluh, langjährige Leiterin des Verkehrsbüros Kandersteg und Expertin für alemannisches Brauchtum. Aus heidnischer Zeit wird überliefert, dass die Wintergeister vor allem in den 12 Tagen um die Jahreswende aktiv seien. Die gefährlichen Tiere wie Bären und Wölfe, an die der Großmarti und die übrigen Pelzmartige in Tiergestalt erinnern,  gibt es schon lange nicht mehr im Tal der wilden Kander, aber im Laufe der Zeit sind noch andere Plagen wie die Spielsucht aufgetreten, die vom Kartenmann symbolisiert wird. Die schlimmste Not im Winter war der Hunger, dem vor allem Kinder zum Opfer fielen. Daran soll der Kindlifresser erinnern. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die alten Bräuche wieder aufgenommen und nunmehr auch wegen der Touristen gepflegt.

 

Winterwandergebiet Lötschental - die Heimat der Tschäggättä

Besonders gut verstehen sich die Leute aus Kandersteg mit den Wallisern auf der anderen Seite des Lötschbergtunnels. Fast alle aus dem kleinen Dorf (knapp 1000 Einwohner) kennen ihre Nachbarn von drüben, viele sind miteinander verwandt. Dort drüben, im Lötschental, beginnt Anfang Februar eine neue Runde der alemannischen Maskerade, der Zug der wilden Tschäggättä.

Diese maskierten Fastnachtgestalten treiben bis kurz vor Aschermittwoch ihren Schabernack mit Einheimischen und Feriengästen. In abenteuerlichen Gewändern, das Futter nach außen gekehrt, mit Schaf- und Ziegenfellen auf Brust, Hinterkopf und Rücken, die Füße und Beine in Säcke gehüllt, mit rußgeschwärzten Handschuhen, denen man besser nicht zu nahe kommt, und mit schrecklich bemalten Fratzen aus Arvenholz veranstalten sie auf den Straßen und in den Häusern ein Höllenkonzert. Ursprünglich sollte dieser Brauch dazu dienen, böse Wintergeister zu vertreiben, heute dagegen lockt er willkommene Besucher aus der Schweiz und vor allem auch aus Deutschland an. Höhepunkt der Maskerade sind zwei Umzüge, aber die Tschäggättä machen auch in der übrigen Zeit um Karneval, nur nicht am heiligen Sonntag, die Gegend unsicher.

 

 

Die wilden Tschäggättä treiben ihr Unwesen in der Dunkelheit

© Rolf Wilms (Text und Fotos)                                                     

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