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Glatt über den Gletscher

Ein eiskaltes Sommervergnügen
Text und Foto: Rolf Wilms

 
Gletschertraversierung      

Der Grosse Aletschgletscher im Schweizer Wallis ist mit seinen 23 Kilometern Länge nicht nur eins der schönsten Naturwunder Europas, sondern auch ein recht zahmer Eisriese. Ganz im Gegensatz zu den vergletscherten Gipfeln der benachbarten Viertausender ringsum, die nur von erfahrenen Bergsteigern zu bezwingen sind, benötigt hier der staunende Besucher aus dem Flachland außer einer guten Kondition (14 Kilometer Wanderstrecke, Überwindung von 700 Höhenmetern nach unten und oben) keine besonderen bergsteigerischen Fähigkeiten, um in Begleitung eines Bergführers mitten im Sommer ein recht außergewöhnliches Erlebnis zu genießen: eine Überquerung des größten Gletschers der Alpen.  

Abstieg zum Aletschgletscher

Offen gestanden: Ein bisschen Angst hatten wir alle. Die Gänsehaut verschwand auch nicht ganz, nachdem wir den Pullover über das nass geschwitzte T-Shirt gestreift hatten, um uns vor der Eiseskälte des Gletschers zu schützen. Und manch eine Hand krallte sich fester als unbedingt nötig um das Seil, an dem uns unser Bergführer aufgereiht hat wie die Perlen an einer Kette. Ohne Begleitung durch einen kompetenten Einheimischen wäre der eine oder andere vielleicht sogar in Panik geraten, wie das Pärchen, das wir gestern vom Bettmerhorn aus mit den Fernglas beobachtet hatten und das offenbar im Labyrinth der Gletscherspalten die Übersicht verloren hatte. Denn aus der Nähe wirkt das Eis nicht mehr so eben wie von oben, sondern eher wie ein plötzlich erstarrter Fluss mit hohen Wellen. Kein markierter Weg führt durch diese Landschaft aus haushohen Schollen, steil aufragenden spitzen Eisbergen, Eishöhlen und Grotten mit Säulen und fantastischen Eisfiguren, die sich kein Künstler ausdenken könnte. Manchmal balancieren wir über schmale und glatte Eisbrücken vorbei an tiefen blauschimmernden Spalten und Schmelzwasserbächen, die sich in unergründlichen Eislöchern verlieren. Besonders unheimlich: Das Rauschen des unsichtbaren Schmelzflusses tief unter unseren Füßen.  

im Eisgebirge

Doch merkwürdiger Weise erhöht ein wenig Angst den Genuss, besonders wenn man sich sicher weiß unter der Leitung eines erfahrenen Führers. Bald merken auch die Neulinge, dass unsere Profilschuhe ohne Steigeisen sicher auf der rauen Eisoberfläche haften, und die anfängliche Unsicherheit weicht der Begeisterung über die wilde Naturlandschaft. Bernhard Stucky, hauptberuflich Tourismusdirektor von der Bettmeralp, hat Verständnis für die Fotografen in unserer Wandergruppe, die sich regelrecht berauschen an den Motiven, und am Ende der Gletschertraversierung werden die letzten Filme oder Chips aus dem Rucksack geholt, obwohl es auf dem Rest des Weges noch genügend zu fotografieren gäbe.  

Schmelzwassersee

Unser Bergführer zeigt uns, wie die verschiedenen Vegetationsformen den Rückgang des Gletschers in den letzten 100 Jahren dokumentieren. Damals schob der Oberaletschgletscher noch seine Eismassen wie ein Nebenfluss in den Großen Aletschgletscher, heute überqueren wir die Schlucht unterhalb seiner Zunge auf einem in den Felsen gesprengten Weg, über den am letzten Sonntag im August die berühmten Schwarznasenschafe von ihren Sommerweiden zurückgetrieben werden. „Es ist schon ein Wunder, dass ein solch mächtiger Eisstrom auf der sonnigen Südseite der Alpen überhaupt existieren kann!“ meint Bernhard Stucky. „Doch die gewaltigen Eismassen, die in der Region um den Konkordiaplatz eine Mächtigkeit von über 800 Metern erreichen, bilden hier ein eigenes schützendes Miniklima.“ Wir spüren es am eigenen Körper: Trotz strahlender Sonne wird es am Gletscher spürbar kühler.  

Abbruchkante Märjelensee

Die eigentliche Gletschertraversierung dauert  einschließlich einer Pause auf der Mittelmoräne  kaum zwei Stunden. Geschickt umgeht der Bergführer die breiteren Spalten,  an einigen steileren Stellen schlägt er Stufen ins Eis, und er erzählt so spannend von den Ergebnissen und Methoden der modernen Gletscherforschung, dass uns die Zeit wie im Fluge vergeht. Am anderen „Ufer“ des Eisstroms geht es steil hoch über die Seitenmoräne und durch den Aletschwald hinauf zum Naturschutzzentrum Villa Cassel auf der Riederalp. Von einem Aussichtspunkt an der Riederfurka können wir noch einmal unseren Wanderweg aus der Vogelperspektive überblicken.

Auf dem Rückweg in unsere Herberge wird nur wenig gesprochen: Gut möglich, dass sich die Anstrengung der Wanderung allmählich bemerkbar macht. Vielleicht aber gehen wir auch so ruhig, weil jeder für sich die Erlebnisse der Tour und die Begegnung mit der majestätischen Natur noch einmal Revue passieren lässt...  

Text und Fotos © Rolf Wilms

 Gletscherwanderungen gibt es noch immer, aber eine Traversierung des Aletschgletschers wird neuerdings nicht mehr angeboten. Das Abschmelzen hat auch für den Besucher Konsequenzen.

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