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Meteora-Klöster: Schweben zwischen Himmel und Erde

  von Rolf Wilms

Die Klöster von Meteora in schwindelnder Höhe scheinen der Erde entrückt zu sein. Einsiedler und fromme Mönche zogen sich seit dem Mittelalter in diese einsame Gebirgslandschaft zurück und bewahrten in ihren Kirchen kostbare Kunstwerke. Doch heute sind  auch Besucher herzlich willkommen.

 

Meteorakloster zwischen Himmel und Erde 

„Noch sind wir nicht ganz im Himmel, aber schon ein gutes Stück von der Erde entfernt.“ Der das sagt, ist mindestens 80 Jahre alt, ein kleiner Mönch in seiner schwarzen Kutte, dunklen Wollmütze und mit schneeweißem Bart. Fast taub ist er und seine Worte sind nicht immer leicht zu verstehen. Doch unter seiner dicken Brille blitzen kluge freundliche Augen. Auf seinen Stock gestützt führt er die Gäste des  Klosters Metamórfosi durch die Hauptkirche, die über einem kreuzförmigen Grundriss eine mit dem Bild des Pankrators (Jesus als Weltenherrscher) geschmückte Kuppel trägt. Ehrfürchtig verweilt er vor den kostbaren Fresken und Ikonen, erklärt die Darstellungen auf den Bildern der Heiligen und Märtyrer und beendet seine Führung schließlich im Garten hinter dem Klosterhof. Von diesem  Plateau aus, mit 613 m der höchste Punkt in der Region Meteora, reicht der Blick über die bizarren Felstürme, gelb blühenden Wiesen und dunklen  Schluchten,  über die Nachbarklöster und das Touristendorf Kalambáka bis weit über die thessalische Ebene zum schneebedeckten Olymp. Im Mittagsdunst scheinen die Betrachter über der Tiefe zu schweben, und so gab Athanasios, der Gründer des Klosters, diesem Felsen den Namen "Metéoro" (der Schwebende), ein Name, der später auf die ganze Region übertragen wurde.

 

Wenn man von Trikala aus über die Bundesstraße 6 (E 92)  nach Norden fährt, tauchen nach ca. 20 Kilometern die riesigen Felsblöcke, spitzen Türme und Steinnadeln der steinernen Riesen so unvermittelt aus dem thessalischen Flachland auf, dass man sich in eine andere Welt versetzt fühlt. So ähnlich müssen auch die ersten Einsiedler empfunden haben, die sich seit dem 11. Jahrhundert in diese Einsamkeit zurückzogen, um dem weltlichen Leben zu entsagen. Auf den höchsten und unzugänglichsten Spitzen, nur unter Lebensgefahr zu erklettern, errichteten sie ihre Wohnungen und Kirchen, und im Verlauf der Jahrhunderte entstand hier eine ganze Klosterstadt. "Meteora" - die Schwebenden -  tauften die Mönche ihre Siedlung. Doch die geschützte Lage half nicht immer gegen räuberische Überfälle, denn die frommen Stiftungen und gesammelten Schätze weckten die Gier von Eroberern und kriegerischen Banden. Und so wurden viele Klöster ausgeplündert und niedergebrannt, verfielen und erinnern heute als Ruinen in abenteuerlicher Umgebung an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Einige Klöster aber, vielleicht die prächtigsten, erhoben sich  neu aus dem Schutt, größer und schöner als zuvor.

 

Denn die Mönche kämpften für ihren Glauben und ihre Kultur und leisteten auch während der langen türkischen Besetzung im Verborgenen Widerstand, indem sie z.B. heimlich die Kinder in der verbotenen griechischen Sprache unterrichteten, ohne Rücksicht auf die schweren Strafen, die ihnen die Machthaber auferlegten. Nicht zuletzt deswegen erweisen die Griechen, auch wenn sie nicht sonderlich religiös sind, ihren Geistlichen große Achtung. 

 

Heute sind in Meteora noch 7 Klöster bewohnt, davon 6 auch für Besucher geöffnet. Um die Kosten für die Erhaltung der Gebäude und Kunstschätze wenigstens teilweise zu decken, haben die Mönche, deren Zahl immer mehr zurück geht, auf ein Stück ihrer Abgeschiedenheit verzichten müssen. In unseren Tagen muss man nicht mehr auf schwankenden Leitern nach oben oder sich gar in einem Korb mit dem Flaschenzug hinauf ziehen lassen. Dafür gibt es bequeme Treppen und Brücken, Parkplätze für das Auto oder den Bus und oft auch einen Souvenirshop mit frommen Heiligenbildern. Im Sommer strömen Besucherscharen in die Region, Busunternehmen bringen ihre Gäste an einem Tag von der Halbinsel Chalkidike oder Athen hierher und am nächsten Tag wieder zurück. Aber in malerischer Umgebung, mit gemütlichen Tavernen, kleinen Hotels und Campingplätzen lädt auch das beschauliche Dorf Kastraki (von gr. Kastros = die Burg) und das lebhafte Kalambáka zu einem längeren Aufenthalt ein. Die steilen Felsen locken Free-climber an, Wanderer finden - besonders im Frühling und Herbst - romantische Wege durch Täler und Schluchten mit immer neuen faszinierenden Blicken auf die schwebenden Klöster, und ohne Hektik weilt man als Gast  für einige Stunden in dem ein oder anderen Kloster und lässt sich von der Ruhe und Gelassenheit der Bewohner anstecken.

 

Das größte und älteste Kloster Metamórfosi (auch Megalo Meteoro genannt) sowie das Nonnenkloster St. Stephanos, das heute immerhin noch 31 Nonnen beherbergt, ziehen die meisten Touristen an. Die reich geschmückten Kirchen und Schatzkammern, aber auch die kleinen Museen mit Exponaten aus dem Alltagsleben der Mönche und Nonnen geben den Besuchern einen Einblick in die klösterliche Welt. Besonders sehenswert ist das abenteuerlich gelegene Kloster Varlaám, durch einen tiefen Abgrund von seinem Nachbarkloster getrennt, mit seinen beiden Kirchen aus dem 14. und 15. Jahrhundert, in denen eine große Zahl wunderschöner alter Ikonen und Fresken erhalten geblieben ist. Prunkstücke sind ein ikonengeschmücktes vergoldetes Templon (Predigtstuhl), ein Bischofsthron und zweiflügelige holzgeschnitzte Türen. Das alte Refektorium, der ehemalige Speisesaal der Mönche, ist jetzt ein Museum mit kostbaren Schätzen. Auch in diesem Kloster werden Besuchergruppen durch die Anlagen geführt. Doch der eigentliche Wohn- und Lebensbereich der Mönche bleibt den Touristen natürlich verschlossen.

 

Gerade die kleineren und stilleren Klöster verbergen Schätze, die zu entdecken sich lohnt. So das überaus fotogen auf einem überhängenden Felsen gelegene Agia Triada - in dem aber z.Z. nur noch 4 Mönche leben. Hier empfängt Vater Jochen die Besucher mit einem Stück Zuckerwerk und einem griechischen Kaffe und demonstriert, dass griechische Gastfreundschaft auch hinter Klostermauern gilt.

 

Bizarr wirkt das kleine Kloster Rousánou, das wie eine Krone auf einem senkrecht ansteigenden Basaltblock thront und das man nur von einem Nachbarfelsen über eine Brücke erreichen kann. Es wurde im Mittelalter - wann genau, ist nicht mehr zu ermitteln - auf den Resten einer verfallenen älteren Kirche errichtet. Die meisten seiner Schätze wurden geplündert oder zerstört, und das Kloster war in der Mitte des letzten Jahrhunderts völlig verlassen, bis eine Gruppe von Frauen beschloss, das Bauwerk in Stand zu halten und hier ein Frauenkloster einzurichten. Jetzt wird das Gebäude von 12 Nonnen bewohnt, die wohl die Anlage ohne Unterstützung von außen nicht vor dem Verfall retten können. Denn der bescheidene Eintrittspreis von 2 €, der hier wie überall in den Klöstern verlangt wird, dürfte für eine Renovierung der Klosterkirche kaum reichen. Nur wenige Besucher finden hierher, doch sie werden sehr höflich begrüßt und eine junge Novizin, die sogar etwas Deutsch spricht, zeigt ihnen gern die Räume des dreistöckigen Klostergebäudes, die Fresken aus dem 16. Jahrhundert, das holzgeschnitzte Templon sowie die wundervollen Wandmalereien in der Kirche, die leider durch Feuchtigkeit an einigen Stellen gelitten haben.

 

Spätestens gegen 17 Uhr ist die Besuchszeit in den meisten Klöstern beendet. Der alte Mönch in Metamórfosi schlägt das Simantro, das Klangholz, das im Gang vor der Kapelle an der Wand befestigt ist. Während die letzten Gäste zum Ausgangstor geleitet werden, versammeln sich die Mönche zum Gebet und nehmen im Refektorium ihr Abendmahl ein, eine Suppe, ein wenig Gemüse, Brot, Wasser und ein Glas Wein, während einer der Brüder aus der Bibel vorliest. Gegen 20 Uhr ziehen sie sich zur kurzen Nachtruhe zurück, denn schon kurz nach Mitternacht beginnt für sie ein neuer Arbeitstag mit einem Frühgottesdienst.

 

Die meisten Besucher erfahren jedoch kaum etwas vom Leben der Mönche, das durch Fasten, Wachen, Arbeit und Gebet erfüllt ist. Ihnen bleiben Urlaubserinnerungen an goldverzierte Ikonen, eindrucksvolle Bauwerke und eine faszinierende Landschaft ...

 Anmerkung des Autors: Nach Auskunft eines Mitbruders ist Pater Gabriel kürzlich im Alter von 90 Jahren verstorben.

Veröffentlichungen meiner Fotos und Texte über Griechenland erfolgten in den Zeitungen und Magazinen: Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten - Badische Neueste Nachrichten – Freizeit Revue – Hannoversche Allgemeine – Kölnische Rundschau -  Laura – Leipziger Volkszeitung – Mannheimer Morgen – Saarbrücker Zeitung – Welt am Sonntag – WAZ-Gruppe

 Meteora-Fotos

 

 

 

 

 

 

 

 

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