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El Hierro – Aussichtsturm im Atlantik

 

 Sabinare sind Wahrzeichen der Insel El Hierro

 

Sonnenuntergang am Mirador de la Peña. Eine atemberaubende Aussichtskanzel hoch über dem Atlantik. Der Passatwind treibt eine weiße Wolkenwand gegen die bewaldeten Steilhänge, gigantische Wattebäusche schweben über den Bäumen; Nebelfetzen huschen gespensterhaft durch die Wipfel. Tief unten lockt das grüne Tal El Golfo am Meer.

Genau hier, am vielleicht schönsten Punkt der Insel El Hierro, hat der kanarische Künstler und Architekt César Manrique ein Restaurant erbaut, das sich harmonisch in die großartige Naturkulisse einfügt. Das im Schein der untergehenden Sonne rot leuchtende Meer spiegelt sich in den Panoramascheiben, als uns die Bedienung in einheimischer Tracht so stolz die Spezialitäten der herreñischen Küche vorlegt, dass wir unwillkürlich mit Andacht von den Speisen kosten.

El Hierro gilt unter den wenigen Touristen, die immer wieder gern zurückkommen, fast als Geheimtipp. Seine knapp 10000 Einwohner, davon etwa 3000 in der „Inselhauptstadt“ Valverde, leben größtenteils von der Fischerei, der Viehwirtschaft und dem Wein- und Obstanbau. Industrie ist - bis auf ein wenig Kunsthandwerk - nicht vorhanden, und für eine profitorientierte  Tourismusbranche ist der Flugplatz, auf dem täglich drei kleine Propellermaschinen der kanarischen Fluggesellschaft BINTER landen, nicht groß genug. Weil auch die Unterbringungsmöglichkeiten recht beschränkt sind, konnte auch die regelmäßige Fährverbindung zwischen Los Cristianos in Teneriffa Süd und El Hierro keine Besuchermassen in das fast noch im Dornröschenschlaf liegende Paradies locken. Ob sich durch die neue Straße von Valverde nach La Frontera (mit Tunnel statt schöner Aussicht) daran etwas ändert, bleibt abzuwarten.

Die kleinste und westlichste der Kanaren – bis zur Entdeckung Amerikas galt sie als das Ende der Welt - liegt wie ein Turm hoch über dem Meer. Der höchste Gipfel, der Vulkan Malpaso, überragt mit seinen 1501 Metern seine über 800 Nachbarn, ihre erdfarbenen Asche- und Schlackefelder und die immergrünen Lorbeer- und Kiefernhaine, denen die Insel das Wasser und damit ihre Fruchtbarkeit verdankt.

El Hierro ist im wahrsten Sinne des Wortes „überschaubar“. In weniger als zwei Stunden gelangt man bequem mit dem Auto über die Hochebene von San Andrés von einem Ende der Insel zum anderen, vorbei an zahllosen "Miradores", jeder mit einem neuen, fantastischen Panoramablick über Gebirge, Wälder, Dörfer und Küste. Man bekommt Lust, aus dem Auto zu steigen und ein paar Schritte zu Fuß zu riskieren, und findet gut ausgebaute, unterschiedlich schwierige Wanderwege durch grünen Bergwald und an bizarren Felsen vorbei. Wir begegnen einsamen Hirten und freundlichen Bergbauern, erfrischen uns in urigen Bodegas mit geräuchertem Ziegenkäse, würzigem Schinken und dem aromatischen Vulkanwein der Insel.

Natürlich macht es mehr Spaß, eine Wanderung mit Gleichgesinnten zu unternehmen. Man findet leicht Kontakt zu organisierten Gruppen, auch mit Deutsch sprechenden Führern. Auf einem der schönsten Wanderwege, dem „Camino San Salvador“ lernen wir, sozusagen en passant, alle typischen Landschaften der Insel kennen. Ein schmaler Pfad durch Asche und schwarze Schlacke erinnert daran, dass El Hierro eine Vulkaninsel ist. Dann plötzlich sind wir im Lorbeerwald mit riesigen Farnen und blühender Baumheide. In diesem „Urwald“ ist es immer ein wenig feucht und kühl, auch wenn es nicht regnet, denn die Passatwolken werden von den Blättern „gemolken“ und spenden den Pflanzen die kostbare Feuchtigkeit. Sonnig und warm wird es dann beim Abstieg durch die Weinberge zum Winzerdorf La Frontera mit seinem seltsamen weißen Kirchturm auf der Spitze eines weinbepflanzten Vulkankegels. Gemütlich geht es schließlich durch die fruchtbare Gartenlandschaft El Golfo zum Meer: Blühende Mandelhaine, Papaya-Pflanzungen und Ananasplantagen, Bananen und schließlich Wolfsmilchgewächse auf schwarzer Stricklava, dazwischen ein kleines Museum in einem wieder hergestellten altkanarischen Dorf mit einem Exemplar der fast schon ausgestorbenen einheimischen Rieseneidechsen.

Am nächsten Tag ziehen wir durch La Dehesa, wo der ständige Passatwind eine bizarr geformte Baumart hervorgebracht hat: die Sabinare. So wie diese menschenleere Region werden auch große Teile der Insel und der umliegenden Gewässer seit mehreren Jahren als Reserva de la Biosfera von der UNESCO geschützt. Wir steigen ab in das wildromantische Dorf Sabinosa und besuchen den Leuchtturm von Orchilla, wo bis 1883 der Nullmeridian verlief. An der Küste locken die Meeresschwimmbäder: Am Charco Azul entdecken wir eine romantische Badegrotte in einem Felsen, im einsamen Süden den roten Sandstrand von Verodal und im kleinen Badeort Tamaduste eine Bucht,   wo wir, geschützt durch natürliche Felsbarrieren, gleich neben der tosenden Brandung gefahrlos in einer sanften Dünung schwimmen. Der Kanarenstrom hält sogar im Winter das Wasser badewarm (19 Grad im Februar, dem kältesten Monat).

Badewetter? Der Vertreter des deutschen Konsuls, Luis Espinosa aus Tamaduste sagt dazu: Jedes Ding hat zwei Seiten, aber El Hierro hat drei. Jeden Tag scheint auf mindestens einer die Sonne ...

Text und Fotos © Rolf Wilms

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