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Der Gast ist König

erlebte Gastfreundschaft in Anatolien

Text und Foto: Rolf Wilms

"Wer an deine Tür klopft, den hat dir Allah geschickt. Teile mit ihm alles, was du besitzt."

Diese gottgewollte Gastfreundschaft lässt Fremde in der Türkei schnell heimisch werden. Eine zufällige Begegnung kann Tür und Tor zu Familie und Freundeskreis öffnen, wie es Rolf Wilms erlebte, als er mit einem anatolischen Schäfer ins Gespräch kam.

Im Grunde drehte sich alles nur um ein Glas Milch, frische warme Milch direkt vom Schaf. Aber zugleich war es das Erlebnis einer unkomplizierten, herzlichen Gastfreundschaft, wie man sie wohl nur in der Türkei findet.

Angefangen hatte es in den Trümmern der byzantinischen Stadt Hierapolis bei Pamukkale, die noch immer so einsam und verlassen in den anatolischen Bergen liegt wie seit 900 Jahren, als Erdbeben und plündernde Eroberer dem reichen und prachtvollen Thermalkurort ein Ende setzten. Nur selten verirren sich ein paar Touristen von den nahe gelegenen Sinterterrassen hierher, und der Bauer Nevzat aus dem Bergdorf Örem Mahellesi zieht auf dem antiken Gräberfeld mit seinem Hakenpflug und seinem Paar schwarzer Esel  die Furchen um die zerborstenen Steinsarkophage wie seine Vorfahren seit eh und je ...

Plötzlich tauchte er vor mir auf, der Schäfer Hüseyin, schritt wie ein griechischer Gott vorbei an den umgestürzten Marmorsäulen des antiken Theaters. Eine wahrhaft archaische Erscheinung in seinem weißgrauen Kepenek, dem traditionellen Schäfermantel aus einem einzigen gegerbten Schaffell.

Ich unterdrückte meinen ersten Impuls, die Kamera hochzureißen und das herrliche Motiv aufzunehmen. Nichts wäre unhöflicher gewesen, als hier ungefragt zu fotografieren! Und als eine ganze Herde von Schafen an den Steinbänken des Theaters vorbeizog, ihr Fell in der Sonne glänzte, da war der Verzicht auf ein Foto schon etwas schmerzlich.

Günaydin, guten Morgen. Ein Gruß, ein Händedruck zwischen zwei Menschen aus völlig verschiedenen Welten. Und dann die Überraschung: Würdevoll wie ein König deutete der Schäfer auf einen Stein, bot mir einen Platz an in seinem Reich und setzte sich wie selbstverständlich auf eine zerbrochene römische Säule neben mich, während die Schafe in den altehrwürdigen Ruinen nach Futter suchten. Eine sprachliche Verständigung gelang natürlich nur mit Hilfe vieler Gesten. Wir übten die Aussprache unser Namen, tauschten deutsche Bonbons und türkische Nüsse, und hier wäre eigentlich unsere kurze Begegnung zu Ende gewesen, vielleicht mit einem erlaubten Abschiedsfoto.

Aus Neugierde hatte ich gefragt, welche Produkte aus der Schafsmilch hergestellt würden. Als Hüseyin den Sinn meiner Frage in etwa verstanden hatte, stand für ihn felsenfest: Der Fremde aus Deutschland hatte Durst - und Hunger wahrscheinlich auch. Also war es selbstverständlich, ihn mitzunehmen in sein Bergdorf, in sein Haus und zu Frau und Kindern und ihn dort nach alter Tradition zu bewirten mit dem, was Allah ihm und seiner Familie zugeteilt hatte. Dass ich im Hotelrestaurant reichlich versorgt wurde, kam ihm wohl keinen Augenblick in den Sinn.

Nun wäre es sicher recht unhöflich gewesen, diese mit freundlicher Bestimmtheit ausgesprochene Einladung rundweg abzulehnen, und so folgte ich meinem neuen Bekannten, bestaunt und höflich  gegrüßt  von verschleierten Frauen und Kindern in blauen Schulkleidern. Die Wohnstube der Schäferhütte, es gab nur zwei Räume im Haus, betraten wir ohne Schuhe, und gleich wurde ich einer vielköpfigen Familie vorgestellt, den Großeltern vor dem Fernseher und mehreren jungen Frauen, von denen eine ungeniert ihren Säugling stillte. Derweil spielten die größeren Kinder im Hof mit den Lämmern, und ein kleineres durfte auf dem Leithammel reiten.

Die Schafmilch kam zuerst, warm und mit Zucker gesüßt. Nach kurzer Überwindung schmeckte sie gar nicht so übel. Danach der helle Tee, in kleinen Gläsern, schließlich das Mittagessen. Alle setzten sich auf den sauberen Fußboden um die Schüsseln herum, die auf einem niedrigen Tisch standen. Der frische Salat kam aus dem Garten, die braune Brühe hieß Tanra corbasi, den Schafsjoghurt nannten sie Sut, und das alles nahm man mit Ekmek, dem frisch gebackenen Fladenbrot, aus einer gemeinsamen Schüssel. So konnten wir gut auf Besteck und Teller verzichten.

Klar, dass ich an einem der nächsten Tage stundenlang mit Hüseyin über die Weiden zog, seine Freunde und Nachbarn kennen lernte und natürlich so viel fotografieren durfte, wie ich nur wollte. Natürlich freuen sich die gastfreundlichen Menschen in der Türkei auch über ein kleines Gastgeschenk. So sind z.B. die Kinder sind ganz versessen auf Süßigkeiten. Kein Grund also, die Gastfreundschaft allzu einseitig werden zu lassen. Also saßen wir alle zusammen an meinem letzten Abend in einem Restaurant an den Sinterterrassen vom Pamukkale und ließen uns das Kebak munden, an das ich mich doch leichter gewöhnen konnte als an an die urige Schäfermahlzeit in Örem Mahellesi. "Merhaba" und auf Wiedersehen!

Text und Fotos © Rolf Wilms

Text und Foto wurden im LTU-Magazin veröffentlicht.

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